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Linux als Unternehmens-Client PDF Drucken E-Mail
Noch wird die Idee, Linux als Office-Desktop zu etablieren, kontrovers diskutiert. Doch eine kleine Gemeinde mittelständischer Firmen lässt sich davon nicht beirren. Sie setzen Linux erfolgreich auf ihren Unternehmens-Clients ein. Zwei Fallbeispiele stellen wir Ihnen vor.Werkelt Linux weiter nur im Hintergrund als Web- und Datenbank-Server? Oder schafft es das Open Source System auch auf die Arbeitsplatzrechner in Unternehmen? Für viele IT-Leiter ist Linux auf dem Desktop derzeit ein hoch brisantes Thema.
Die aktuelle Debatte um das Desktop-Linux wurde durch mehrere Entwicklungen ausgelöst. So haben sich Technik, Ergonomie und Software-Vielfalt von Linux in den letzten Jahren gehörig gewandelt. Aus der einstigen Freak-Spielwiese ist ein technisch ausgereiftes System geworden, das mit Windows in vielen Bereichen gleichgezogen ist - oder sogar besser abschneidet. Beispielsweise bei Stabilität oder Schutz vor Viren und Würmern.
Auch das Argument, Linux ist kompliziert, hat sich mit KDE und Gnome erledigt. Durch diese frei verfügbaren grafischen Oberflächen ist der Desktop für den normalen Anwender kaum anders zu bedienen als Windows. Und weil alle Linux-Pakete für Business-Desktops über die üblichen Büroprogramme wie Office-Pakete, Browser, E-Mail-Systeme und Groupware-Clients verfügen ist auch die Basisausstattung für 90 Prozent aller Arbeiten am Desktop gegeben.
Die Big Points sammelt Linux freilich bei den meisten IT-Leitern mit der Kostenersparnis - in Zeiten knapper Budgets verständlich. Eine Windows-Arbeitsstation mit einem Office Paket und einer hochwertigen Grafikanwendung schlägt schnell mit über 2.000 Euro zu Buche. Unter Linux sind all diese Anwendungen kostenlos erhältlich und in den gängigen Distributionen enthalten. Zwar kommen im professionellen Bereich auch bei Linux Kosten hinzu, doch die Budgetposten werden auf ein Minimum reduziert.
Geringer Marktanteil

Ist Linux jetzt also endlich reif für den Desktop? Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Nur 3,4 Prozent beträgt der Linux-Anteil an Desktops in Deutschland, haben die Marktbeobachter von Techconsult bei einer Unternehmensbefragung festgestellt. „Für die meisten Unternehmen sind die Kosten einer Migration weg von Windows einfach zu hoch, und sie fallen mehr ins Gewicht als die Vorteile, die Firmen mit Linux zu erzielen hoffen“, erklärt ein Gartner-Analyst.


 
 
Eine ganze Palette von Nachteilen, so die Meinung der Analysten, treiben die Migrationskosten in die Höhe und verhindern die Ausbreitung von Linux-Desktops. Dazu gehören fehlendes Linux-Knowhow in den Firmen, zu wenig branchenspezifische Linux-Anwendungen - etwa im Bereich betriebswirtschaftlicher Software -, und viele Applikationen, für die es kein Linux-Gegenstück gibt – beispielsweise zu  Software wie MS-Project oder Visio. Zu guter Letzt, so die Linux-Kritiker, ist auch der unabdingbare Datenaustausch zwischen der Microsoft- und der Open-Source-Welt immer noch mit massiven Problemen behaftet.
 
In diesem Beitrag lassen wir die Meinungen der Experten und Analysten beiseite und hören uns an, was die Praktiker sagen: Zwei mittelständische Unternehmen, die den Schritt gewagt haben, und Linux als Clientsystem einsetzen. Von den verantwortlichen IT-Leitern wollten wir vor allem wissen: Warum sind sie auf Linux-Desktops umgestiegen? Welche Erfahrungen haben sie bei der Migration gemacht? Wo lagen die Probleme? Welche Programme setzen sie ein? Und wie zufrieden sind sie mit ihrer Lösung?

qtec – Der sanfte Linux-Umstieg

Bei der Gernröder qtec Kunststofftechnik GmbH Quedlinburg, ein Unternehmen der Poschmann Union , war Kostenersparnis das Hauptmotiv für den Umstieg auf Linux. Als im Jahr 2003 neue PC-Hardware und Software angeschafft werden sollte stand das 100-Personen-Unternehmen für Kunststoffverarbeitung vor der Entscheidung, entweder teure Windows- und MS-Office-Lizenzen nachzukaufen oder nach Alternativen zu suchen.

Office-Anwendungen sind neben einem ERP-Programm und E-Mail die Hauptanwendungen des Kunststoffunternehmens. Damit werden neben den üblichen Büroapplikationen vor allem statistische Auswertungen gefahren und grafisch präsentiert.

Thomas Warnecke, IT-Leiter bei q tec, entschied sich nach einigen Tests und Absprachen mit Mitarbeitern für Suse Linux, das damals in der Version 9.0 auf den Markt kam. Es sollte möglichst vollständig auf allen Unternehmensrechnern eingesetzt werden. Die Umstellung konnte allerdings nicht auf einen Schlag erfolgen, sondern in einer „sanften Migration“ Stück für Stück.
  Ende 2003 liefen die ersten Tests auf einzelnen Rechnern. Dann wurden probeweise die PCs in der EDV-Abteilung umgestellt. Parallel dazu wurde ein Migrationsplan erarbeitet, der die Umstellung steuerte. In dem Papier wurde für Geschäftsleitung und Belegschaft erklärt, was Linux ist, welche Vorteile es hat und welche Kosten gespart werden können.

Gestartet wurde die Linux-Umstellung auf Rechnern, bei denen die Migrationsfolgen am wenigsten gravierend waren. „Das waren Arbeitsplätze, die vorrangig E-Mail oder das ERP- Programm nutzten“, sagt Warnecke. „Im Wareneingang oder Versand ist es beispielsweise egal, was für ein Betriebssystem auf dem Rechner ist. Nach einer kurzen Einweisung sind die Mitarbeiter mit den Linux-PCs gut klar gekommen.“
In den anderen Abteilungen war die Umstellung schwieriger. So etwa im Vertrieb, der mehr mit Office-Anwendungen arbeitet. „Hier mussten wir mehr Schulungsaufwand betreiben. Und hier gibt es auch heute wegen der Unterschiede zwischen MS-Office und OpenOffice gelegentlich noch Fragen. Aber damit kann man sich arrangieren.“

Auch am individuellen Arbeitsplatz erfolgte die Migration sehr sanft. „Wir konnten nicht einfach einen Schalter umlegen sondern haben die Rechner Stück für Stück migriert“, sagt Warnecke. „Im laufenden Betrieb Rechner abschalten und einen Tag für die Umstellung benötigen – das war bei uns nicht drin“. Deshalb wurden Zeiten abgepasst, wo ein Mitarbeiter nicht so viel zu tun hatte oder in Urlaub war. Als er wieder kam, wurde er eingewiesen.

Dokumenten-Migration

Für die Dokumenten-Migration wurde im ersten Schritt ein normales MS-Office via CrossOver Office auf den Linux-Clients installiert. Mit der Emulations-Software Crossover Office lassen sich Microsoft-Office-Programme unter Linux einsetzen. So konnte erst einmal alles wie gehabt ohne großen Aufwand weiterlaufen wie bisher. Anschließend wurde Stück für Stück auf OpenOffice umgestellt.

Der Umstieg von Excel Sheets auf OpenOffice Calc verlief dabei am unproblematischsten. Die Formatierungen wurden von Calc perfekt übernommen. Anders sah die Sache bei MS-Word und dem OpenOffice-Pendant Writer aus. „Wir hatten einige Word-Dokumente mit Makros, die sich nicht so einfach nach Writer migrieren ließen“, sagt Warnecke. Die Makros wurden dann zum Teil in der OpenOffice-Variante Starbasic neu geschrieben. Die ganze Makro-Umstellung nahm etwa 2-3 Tage in Anspruch.
 


Austauschformat ist laut interner Arbeitsanweisung grundsätzlich nur das PDF-Format. Die IT will so sicherstellen, dass die im Unternehmen generierten Dokumente auf anderen Rechnern genauso aussehen wie im Original. „Die Mail-Server akzeptieren auch keine anderen Formate“, ergänzt Warnecke. „Wenn jemand versucht, ein .doc oder .xls-File zu schicken, bekommt er eine entsprechende Meldung.“

Dennoch gibt es Einzelfälle, bei denen Excel-Dateien ausgetauscht werden müssen. „Hierfür gibt es strikte Regeln, die festlegen, welcher Personenkreis an welche Empfänger solche Daten senden darf. Wir schicken ja Dokumente nicht an tausende von Firmen, sondern haben unseren festen Kundenstamm und feste Partner.“
Einfache Adminstration

Inzwischen wurden alle 25 Clients einheitlich auf Suse Linux 10.1 und KDE 3.5.4 umgestellt. Updates werden täglich von Suse- oder Spiegel-Servern auf den Firmen Update-Server heruntergeladen und auf die Rechner verteilt. „Um nicht Tausende Pakete downloaden zu müssen ist ein gleicher Versionsstand bei den Clients wichtig“, sagt Warnecke.

An Applikations-Software ist OpenOffice 2.0.2, Gimp 2.0, sowie ein ERP-System über Terminalemulation im Einsatz. „Über das ERP-Programm werden Aufträge eingepflegt und Bestellungen gemacht“, erklärt Warnecke. „Das System läuft bei unserem Partnerunternehmen in Lüdenscheid. Dort stehen die Terminalserver mit dem ERP-Programm. Wir greifen darauf mit unserem plattformunabhängigen Client Tarantella zu.“
 
 
Abgeschlossen ist der Migrationsprozess bei q tec bis jetzt nicht. Es gibt immer noch mehrere Clients, die Thomas Warnecke gerne umstellen würde. „Bei der Buchhaltung mussten Microsoft-Rechner für Datev-Programme eingesetzt werden, die nicht unter Linux laufen“, sagt der IT-Leiter. „Ein Windows-PC wurde für das Qualitätsmanagement gebraucht, mit dem eine Messmaschine für Feuchtigkeitsmessungen gesteuert wurde. Auch hier war keine Linux-Variante verfügbar.“
 
Auf anderen Clients wird Emulations-Software eingesetzt. „Zum Beispiel haben wir noch aus Urzeiten ein ERP-System auf DOS-Basis, über das noch heute Kalkulationen gefahren werden“, sagt Warnecke. „Hierfür emulieren wir mit VMPlayer Windows 98, auf dem dann der DOS-Client läuft.“ Die Emulation läuft allerdings nicht auf allen Rechnern, sondern nur in der Abteilung Stammdaten und Kalkulation und bei drei Vertriebs-PCs.

Warnecke schätzt inzwischen viele Vorteile von Linux. Einer davon ist die einfache Verwaltung. „Unter Linux ist die Administration deutlich simpler als bei Windows“, sagt Warnecke. „Ich muss mich nicht wie bei Windows zwangsläufig auf eine grafische Oberfläche aufklinken. Wenn es mit einer Arbeitsstation Probleme gibt, kann ich vieles über SSH machen. Dazu brauche ich nicht vor Ort zu sein, was mir viele Wege erspart. Für mich ist der Administrationsaufwand durch die Linux-Clients deutlich gesunken und vereinfacht worden.“

Tröber GmbH – Produktiver arbeiten mit Linux

Bei der Hamburger Tröber GmbH waren weniger Kostengründe für den Linux-Umstieg ausschlaggebend, sondern Sicherheit und Verfügbarkeit der Unternehmens-Clients. „Wir wollten keine Bluescreens mehr haben“; sagt Günter Stoverock, IT-Leiter bei Tröber. „Mit Linux gibt es weniger Abstürze und mehr Sicherheit vor Viren. Die Mitarbeiter können produktiver arbeiten“.

Stoverock macht eine Beispielrechnung auf: „Wenn von unseren 60 Arbeitsplatzrechnern nur zehn am Tag neu gestartet werden müssen, weil sie unter Windows einen Bluescreen haben, kommen Sie übers Jahr gerechnet auf gigantische Ausfallzeiten. Wie oft erlebe ich das mit Partnerfirmen, die noch weitgehend mit einer Windowsarchitektur arbeiten.“

  Eine stabile, leistungsfähige IT ist Voraussetzung für das Werbe- und Geschenkeartikelunternehmen, das Feuerzeuge, Raucher-Accessoires und Geschenkartikel für den Büro- und Heimbedarf importiert und vertreibt. Obwohl Lizenzkosten bei der Entscheidung pro Linux keine Rolle gespielt haben, profitiert der 60-Personen-Betrieb von niedrigeren Kosten durch eingesparte Lizenzen. Allein durch den gekündigten Supportvertrag mit Microsoft spart das Unternehmen jährlich knapp 14.000 Euro.

Begonnen hat die Linux-Migration bei Tröber zur Jahrtausendwende, als eine aufwändige Erweiterung der IT-Landschaft anstand.  Damals installierte das Unternehmen entgegen dem Trend keine NT-Server, sondern IBM iSeries Server unter Linux. Das Know-how und die Erfahrung aus dem Serverbereich wurde dann genutzt, um auch die NT-Arbeitsplatzrechner zu migrieren. Zunächst wurde StarOffice noch unter Windows NT eingesetzt. Zum Jahresende 2003 stellte der Import/Export-Betrieb dann auch seine 60 Clientrechner von NT 4 auf Suse Linux mit KDE um.
 
Template created by Thomas Warnecke